29. Oktober 2025
Im September und in der ersten Oktoberhälfte haben wir die Aktivitäten des Schulprojekts mit dem Wirtschaftsministerium durchgeführt. Wir haben ein Bankkonto für unsere neue NGO (OFAI) eröffnet, was eine der neuen Vorschriften der Taliban-Regierung ist. Danach muss für jedes Projekt ein separates Bankkonto geführt werden. Nach der Eröffnung des Bankkontos mussten wir ein Konto im Namen unserer neuen NGO (OFAI) auf der Webseite des Finanzministeriums einrichten, damit wir unsere steuerlichen Angelegenheiten online erledigen können. Diese Prozesse nahmen einige Zeit in Anspruch, wurden jedoch ohne größere Probleme abgeschlossen. Noch vor Mitte Oktober konnten wir ein Einführungsschreiben des Wirtschaftsministeriums an das Erziehungsministerium für unser Projekt erhalten. Nach Erhalt des Schreibens nahmen wir die Zusammenarbeit mit dem Erziehungsministerium auf.
Allerdings verläuft der Prozess dort langsamer und schwieriger, da das Ministerium keine Zusammenarbeit mit einer ausländischen NGO zulässt. Daher waren unsere Kollegen gezwungen eine Lizenz für eine lokale NGO zu beantragen. Das Ministerium hatte viele Fragen zu unserem Projekt, die wir angemessen beantworteten. Jetzt ist ihre einzige Kritik, dass es sich um eine neu gegründete NGO handelt, die sollte zu Beginn kein so großes Projekt durchführen. Diese Bedingung ist in keinem offiziellen Gesetz erwähnt, da alle Vorschriften bezüglich NGOs vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden. Dieses Ministerium hatte keine Einwände bezüglich unserer lokalen NGO.
Das Erziehungsministerium hat einen Ausschuss eingerichtet, der jedes Projekt vor der Unterzeichnung des Protokolls prüft. Er genehmigt oder lehnt das Projekt aus bestimmten Gründen ab. Die Idee, dass eine neu gegründete NGO zu Anfang kein großes Projekt durchführen sollte, stammt von diesem Ausschuss. Er behauptet, einen Standard festgelegt zu haben, wonach NGOs ohne vorherige Projekterfahrung zuerst kein Projekt mit einem Volumen von mehr als 100.000 Dollar durchführen sollten. Das Erziehungsministerium ist verpflichtet, das Protokoll innerhalb von fünfzehn Arbeitstagen mit uns abzuschließen oder eine formelle Ablehnung zu erteilen. Bislang hat es jedoch weder das eine noch das andere getan.
Unsere Kollegen besuchen täglich das Erziehungsministerium, werden jedoch jedes Mal an einen neuen Beamten verwiesen. Es ist offensichtlich, dass sie versuchen kooperativ zu erscheinen und nach einer Möglichkeit suchen, eine vollständige Ablehnung unseres Projekts zu vermeiden. Positiv ist jedoch, dass sie eine feste Frist von fünfzehn Arbeitstagen haben, um uns eine klare Antwort zu geben.
Unsere Kollegen bereiten sich bereits auf eine mögliche Ablehnung vor. Sie sagen, dass wir unser Projekt dann in kleinere Projekte aufteilen werden, wenn das Erziehungsministerium sich weigert, das Protokoll mit uns zu unterzeichnen. Dies kann auf zwei Arten geschehen: entweder durch Verkürzung der Laufzeit des aktuellen Projekts und Unterzeichnung mehrerer aufeinander folgender Verträge oder durch Aufteilung in mehrere Verträge gleichzeitig und Bearbeitung separater Protokolle für jedes einzelnen. Wir hoffen, dass das Erziehungsministerium auf der Grundlage der aktuellen Fortschritte die Unterzeichnung des Protokolls mit uns vorantreiben wird.
Hier kommt es häufig aus verschiedenen Gründen zu Verzögerungen, zum Beispiel, weil der Direktor eine Woche auf Reisen ist und während dieser Zeit niemand anderes befugt ist, die erforderlichen Verfahren durchzuführen.
In Khost wurden unsere zehn Klassen, die über unsere Partnerorganisation ODIA durchgeführt werden, am 10. Oktober 2025 offiziell gestartet. Bislang haben unsere Kollegen ein Seminar mit den Lehrern durchgeführt und ihnen die Erlaubnis erteilt, mit dem Unterricht zu beginnen. In den ersten Novembertagen wird das Team von OFARIN nach Khost reisen, um die Klassen zu kontrollieren und zu bewerten.

Bild 1: Schulklasse in der Provinz Khost
Die aus dem vorangegangenen zweijährigen Schulprojekt verbleibenden Sachen sollten an die zuständigen Abteilungen des Erziehungsministeriums übergeben werden, was offiziell geschah. Der Prozess war nicht ganz unproblematisch, denn die Beamten des Ministeriums erwarteten, dass wir eine moderne Ausstattung abliefern würden. Als sie jedoch sahen, dass wir nur einfache Materialien für unsere Klassenzimmer verwendet hatten, zeigten sie wenig Interesse und zögerten das Vorgehen hinaus. Wir waren gezwungen, die Gegenstände selbst vor Ort anzuholen, um Misswirtschaft zu vermeiden und sicherzustellen, dass alles mit einer ordentlichen Inventarliste übergeben werden konnte. Diese Arbeit erforderte viel Zeit und Mühe, da die Beamten nicht sehr kooperativ waren. Einer von ihnen meinte sogar, wir dachten, es handele sich um eine internationale Organisation und erwarteten am Ende des Projekts gute Dinge wie Tische, Stühle und Computer zu erhalten, aber sie verstanden nicht, dass wir keine Ausgaben für Gegenstände tätigen, die nicht unmittelbar zur Verbesserung der Unterrichtsqualität beitragen. Glücklicherweise konnte der Prozess schließlich abgeschlossen werden, und alles wurde erfolgreich übergeben.
In Khost führen wir zwei Projekte zur Wiederherstellung der Wälder durch, die jeweils drei Jahre laufen. Während dieser Zeit führen wir in zwei Dörfern des Bezirks, in dem das jeweilige Projekt angesiedelt ist, monatliche Workshops zur Aufklärung der Öffentlichkeit durch. Ziel dieser Workshops ist es, die lokale Bevölkerung über die Vorteile von Wäldern und die negativen Auswirkungen ihres Fehlens aufzuklären. Wir erörtern auch praktische Methoden und Strategien, die zur Vergrößerung der Waldfläche beitragen können und ermutigen die Gemeinden, sich an der Erhaltung und Wiederherstellung der Wälder zu beteiligen.

| Bild 2: Bandakhel Stammesführer während eines Ofarin-Workshops zur Aufforstung |
Im Distrikt Tani macht der Stamm der Banda Khel etwa ein Viertel der Bevölkerung des Distrikts aus und nimmt etwa ein Viertel der Land- und Bergfläche ein. Nachdem sie unser Projekt beobachtet hatten, unternahmen sie einen wichtigen Schritt. Sie sahen, wie unser Verbot der Viehweide das Gedeihen natürlich neu entstandener Bäume ermöglichte und wurden durch die von uns veranstalteten Aufklärungsworkshops inspiriert. Im letzten Frühjahr stellte der Stamm die Hälfte seiner Berge selbst unter Quarantäne. Im Rahmen einer lokalen Stammesvereinbarung beschlossen sie, das Weiden von Vieh in den Quarantänegebieten zu verbieten. Gemäß dieser Vereinbarung muss jeder, der beim Weiden von Tieren in diesen Gebieten erwischt wird, eine Geldstrafe von 5.000 Afghanis pro Tag zahlen. Bisher wurden die Bußgelder bereits von drei Familien eingezogen, was das Engagement der Gemeinschaft für die Wiederherstellung des Waldes beweist. Der Stamm der Banda Khel zahlt einer Person, die für den Schutz des Berges zuständig ist, ein Gehalt. Ihm werden täglich, neun Stammeswächter zugeteilt, die nach einem Zeitplan rotieren. Der Gehaltsempfänger ist für die Organisation der Wachschichten verantwortlich. Erscheint jemand nicht zu der ihm zugewiesenen Schicht, wird an seiner Stelle eine andere Person gegen Entgelt eingestellt und er Lohn wird dann von der abwesenden Person eingezogen.
Wir fragten die Einheimischen nach der geschätzten Fläche der Berge, die unter Quarantäne gestellt wurden. Sie sagten, es handele sich um etwa 20.000 bis 25.000 Hektar. In einigen kleinen Teilen dieser Berge gibt es noch Pinienbäume, die nicht abgeholzt wurden, weil sie Früchte tragen. Was uns am meisten freute, war die Tatsache, dass in diesen Bergen auch neue Pinienbäume zu wachsen begonnen haben. Die hat die Gemeinschaft weiter darin bestärkt, ihr Versprechen einzuhalten und die Berge für die nächsten fünfzehn Jahre unter Quarantäne zu stellen. Dies ist keine schwierige Aufgabe, da sie die Hälfte ihrer Berge als Weideland für ihr Vieh belassen haben. Der Plan sieht vor, dass nach fünfzehn Jahren, wenn die neu gewachsenen Bäume in den unter Quarantäne stehenden Bergen soweit ausgereift sind, dass das Vieh sie nicht mehr schädigen kann, diese Berge als Weidefläche ausgewiesen werden. Im Gegenzug werden die Gebiete, die derzeit als Weidefläche genutzt werden, unter Quarantäne gestellt. Da viele Gebiete völlig kahl sind, haben die Angehörigen des Banda Khel Stammes die Hoffnung geäußert, dass dort Pinienkerne gepflanzt werden könnten. Dadurch könnten die Berge in relativ kurzer Zeit mit wertvollen Obstbäumen bewachsen werden.

Bild 3: Ofarin Mitarbeiter Hewad im Gespräch mit einem Stammesführer der Banda Khel zwischen angepflanzten Pinien-Setzlingen
Laut einer früheren Umfrage gibt es etwa 10.000 Haushalte, die sich die unter Quarantäne stehenden Bäume teilen. Derzeit versuchen unsere lokalen Mitarbeiter, die Workshops zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit durchführen, diese Menschen zu ermutigen, Pinienkerne in den unter Quarantäne stehenden Bergen anzupflanzen. Das Ziel ist es, die Ausbreitung von Pinienbäumen über große Teile der Berge zu beschleunigen, damit sie während der Quarantänezeit gut wachsen. Sie erklären der Gemeinde, dass diese Quarantänezeit eine wertvolle Gelegenheit ist. Wenn sie einfach auf die natürliche Regeneration warten, werden die meisten der Bäume, die wachsen, möglicherweise keine Früchte tragen. Wenn sie jedoch jetzt Pinienkerne pflanzen, werden die Bäume während der Quarantänezeit größer werden und statt nicht fruchtbarer Bäume wird ein Großteil der Bergregion mit wertvollen, fruchtbaren Pinienbäumen bedeckt sein. Leider ist es etwas schwierig, die Gemeinde zu diesem Schritt zu ermutigen, da ihre wirtschaftliche Lage sehr schlecht ist. Sie hoffen, dass eine NGO oder die Regierung sie mit Samen unterstützen wird. Der Marktpreis für ein Kilogramm Pinienkerne liegt bei etwa 1.000 Afghanis, was ungefähr 15 US-Dollar entspricht.
Infolge der Erdbeben vom 31. August in der Provinz Kunar kamen mehr als 2.200 Menschen ums Leben und über 3600 weitere wurden verletzt. Ungefähr 6.500 Wohnhäuser wurden beschädigt, einige vollständig zerstört, andere teilweise. Es ist anzumerken, dass in den betroffenen Gebieten nach wie vor ein dringender Bedarf an Lebensmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Unterkünften besteht. Dieser Bedarf ist nach wie vor weitgehend ungedeckt und mit dem Herannahen des Winters verschlechtert sich die Lage weiter.
Pakistan führte Luftangriffe in Kabul durch und behauptete, den Anführer der TTP ins Visier genommen zu haben. Als Reaktion darauf starteten die Taliban ebenfalls Angriffe auf pakistanische Posten entlang der Durand-Linie. Später führte Pakistan weitere Luftangriffe in Paktika, Kandahar, Kunar und Kabul durch, von denen viele zivile Gebiete trafen und Opfer forderten. Während dieser Zeit der Spannungen wurde die Ablehnung des afghanischen Volkes gegenüber Pakistan deutlich und selbst diejenigen Afghanen die sich offen gegen die Taliban aussprechen, erklärten sich bereit, sie in dieser Zeit zu unterstützen. Nach mehreren Tagen der Spannungen und auf Ersuchen Saudi-Arabiens, Katars und der Türkei wurde am 16. Oktober ein Waffenstillstand vereinbart. Danach nahmen beide Seiten unter Vermittlung Katars und der Türkei Verhandlungen in der Türkei auf. Während der Verhandlungen drohten hochrangige pakistanische Militärs, dass sie im Falle des Scheiterns der Gespräche einen direkten Krieg gegen die Taliban beginnen würden. Obwohl die Verhandlungen ohne Ergebnis endeten, was bedeutet, dass bisher keine der beiden Seiten eine Einigung erzielen konnte, hat keine der beiden Seiten militärische Maßnahmen ergriffen.
Seit dem 9.Oktober sind alle Verbindungswege zwischen Pakistan und Afghanistan von Pakistan vollständig gesperrt. Infolge dessen haben Händler auf beiden Seiten erhebliche finanzielle Verluste erlitten.
Eine weitere Neuerung, die wir kürzlich entdeckt haben, ist, dass früher ausländische Touristen, die nach Afghanistan reisen wollten, eine Erlaubnis des Ministeriums für Information und Kultur einholen mussten. Dieser Vorgang war einfach und schnell. Nun wurden diese Aufgaben jedoch an ein halbstaatliches Unternehmen namens Afghan Tour übertragen, es sei denn, sie wenden sich an ein kommerzielles Reisebüro. Dadurch ist die Beantragung einer Tourismusgenehmigung zu einem komplizierten Verfahren geworden.
Hewad Khan
