5. Ofarin Rundbrief 2026

Ich hoffe, dass es allen Unterstützerinnen, Unterstützern, Freundinnen und Freunden von OFARIN gut geht und sie wohlauf sind.


Wie ich beim letzten Mal erwähnte, baten wir die Inspektoren des Bildungsministeriums, uns etwas Zeit zu geben. In den ersten Maitagen besuchten sie fast alle unsere Klassen in Kabul und äußerten nach der Bewertung des Zustands der Unterrichtsräume ihre Zufriedenheit. Ich sollte auch erwähnen, dass unsere Klassen in Logar und Khost von den jeweiligen Bildungsdirektionen der Provinzen überprüft wurden. Insgesamt betrachteten die Vertreter des Bildungsministeriums den Start unseres Projekts als einen guten Anfang.

Eine der von OFARIN betriebenen Unterrichtsklassen


Ein Thema, welches wir allerdings mit der Regierung haben, betrifft die geografische Verteilung der Klassen. Sie vertreten die Auffassung, dass wir, wenn wir in einem Distrikt – etwa in Logar – 40 Klassen haben, diese zunächst gleichmäßig auf die Unterdistrikte dieses Distrikts aufteilen und anschließend den Anteil jedes Unterdistrikts auf dessen Dörfer verteilen sollten. Auf diese Weise könnten unsere Klassen mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. Das würde nicht nur ihre Aufsicht über die Klassen erschweren, sondern auch unsere Betriebskosten erheblich erhöhen. Wir hatten dieses Problem schon vorausgesehen und deshalb in unserer Vereinbarung mit dem Bildungsministerium festgehalten, dass wir dieselben Klassen reaktivieren würden, die OFARIN früher betrieben hatte. Da OFARIN in Khost in der Vergangenheit jedoch nur wenige Klassen hatte, richteten wir dort überwiegend neue ein. Infolgedessen liegen unsere Klassen in Khost weiter voneinander entfernt als jene in Logar und Kabul. Die Vorstellung des Biuldungsministeriums ist in etwa, als wolle man 50 hungrige Menschen mit Essen versorgen, aber nachdem man der ersten Person Essen gegeben hat, die weiteren, hungrigen Menschen stehen lässt, um an einem anderen Ort weitere einzelne Personen zu versorgen. In Logar stritt der Bildungsleiter des Distrikts Baraki Barak mit uns so heftig über dieses Thema, dass die Angelegenheit schließlich das Ministerium erreichte.


Da wir jedoch gemäß der Vereinbarung verpflichtet waren, unsere früheren Lehrkräfte wieder einzustellen, wurden unsere Klassen in Logar nicht neu verteilt. Unsere Lehrkräfte hatten fast fünfzehn Monate lang kein Gehalt von OFARIN erhalten, denn als unser Bildungsprogramm Anfang 2025 eingestellt wurde, dauerte es lange, bis wir die Vereinbarung erreichten, auf deren Grundlage wir unsere Arbeit im April 2026 wieder aufnahmen. Selbst dann konnten wir sie wegen Geldmangels nicht pünktlich bezahlen, da wir das vorhandene Geld für den Kauf von Unterrichtsmaterialien verwendeten, ohne die der Unterrichtsprozess nicht hätte fortgesetzt werden können. Nun, nach Mitte Juni, konnten wir den Lehrkräften endlich ein Monatsgehalt zahlen, obwohl Juni bereits der dritte Monat ist, in dem sie arbeiten. Das bedeutet, dass wir ihnen weiterhin zwei Monatsgehälter schulden.


Ein weiteres Thema, das in den vergangenen Sitzungen ausführlich besprochen wurde, war die zunehmende Abwesenheit der Schülerinnen und Schüler. Am Ende stellten wir zwei Gründe fest, die dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler dem Unterricht fernbleiben. Der erste ist, dass die Nächte zu dieser Jahreszeit sehr kurz sind, sodass Kinder nicht früh genug schlafen gehen können. Infolgedessen weisen die Klassen, die sehr früh am Morgen beginnen, derzeit eine hohe Abwesenheitsrate auf. Der zweite Grund ist die Hitze. Da das Wetter inzwischen sehr heiß geworden ist, fehlen Schülerinnen und Schüler hitzebedingt in den Klassen, die um die Mittagszeit stattfinden. Bei unserem jüngsten Treffen mit unseren Mitarbeitenden vor Ort, das am Sonntag stattfand, vereinbarten wir, die Stundenpläne der Klassen soweit wie möglich anzupassen. Klassen, die sehr früh am Morgen beginnen, sollten etwas später anfangen, während diejenigen, die um die Mittagszeit stattfinden, entweder auf eine frühere oder eine spätere Zeit verlegt werden sollten, weil die Hitze in der Tagesmitte am stärksten ist.

Erste Walnussfrüchte an den Setzlingen der Projekte KH01 und KH02 in Khost

In Khost haben einige der Setzlinge in unseren Projekten KH01 und KH02 begonnen, Früchte zu tragen. Ja, die Menge der Früchte ist noch sehr gering und nur an einigen der Setzlinge zu sehen, aber es ist eine gute Nachricht, denn Walnussbäume beginnen auf diese Weise Früchte zu tragen. Anfangs bilden sie nur eine kleine Menge, und dann tragen sie mit jedem neuen Frühjahr mehr Früchte als im vorherigen Jahr. Trotz solcher ermutigenden Nachrichten haben wir eine der geplanten Aktivitäten dieser Projekte noch nicht durchgeführt, nämlich die Reinigung der Wasserbecken rund um die Bäume. Eine Zeit lang erlaubte uns das Landwirtschaftsamt wegen der instabilen Lage nicht, unsere Arbeit dort fortzusetzen. Seit fast anderthalb Monaten fordert es uns jedoch wiederholt auf, unsere geplanten Aktivitäten durchzuführen. In letzter Zeit setzt es uns sogar unter Druck und sagt, dass der vorgesehene Zeitraum für diese Aktivitäten bereits verstrichen sei und sie abgeschlossen werden müssten. Gestern und vorgestern inspizierte die Delegation des Landwirtschaftsministeriums, die nach Khost gereist war, unsere Projekte. Sie lobte unsere Projekte; ihre einzige Kritik war, dass die Wasserbecken rund um die Bäume noch nicht gereinigt worden waren. Es handelt sich um dieselbe Delegation, die unsere Projekte anderen Organisationen als Modell vorstellt. Nachdem uns das Landwirtschaftsamt der Provinz Khost die Erlaubnis erteilt hatte, die Aktivitäten wieder aufzunehmen, verfügten wir nicht über die notwendigen Mittel. Wir dachten, der Grund sei einfach, dass das Geld noch nicht aus Deutschland überwiesen worden sei. Während unseres Online-Treffens mit Frau Anna Maria Schwittek erfuhren wir jedoch, dass uns auch in Deutschland keine ausreichenden Mittel zur Verfügung standen. Frau Schwittek erklärte, dass viele unserer Spenderinnen und Spender in Deutschland derzeit in den Sommerferien seien, und äußerte die Hoffnung, dass sie nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub ihre Unterstützung fortsetzen würden.


Keinem Regierungsangestellten ist es nun mehr erlaubt, ein Smartphone zu benutzen. Zwar waren schon länger Gerüchte im Umlauf, wonach Regierungsangestellten die Nutzung von Smartphones untersagt werden sollte, doch nun wurde das Verbot flächendeckend verhängt. Einige Menschen zerstörten sogar ihre eigenen Telefone, um zu zeigen, dass sie den Befehl des Amir vollständig akzeptieren. Sie zerstörten Telefone im Wert von bis zu zweitausend Dollar. Wie bei vielen ihrer früheren Maßnahmen führten die Taliban auch diese Maßnahme schrittweise ein. Sie streuten mehrmals Gerüchte und setzten das Verbot an einigen Orten durch, ohne es sehr ernst zu nehmen, um die Menschen und Regierungsangestellten darauf vorzubereiten, dass ein solcher Erlass irgendwann umgesetzt werden könnte. Nun jedoch wird das Verbot streng durchgesetzt. Diese Entscheidung mag auch einige positive Aspekte haben, da Regierungsangestellte ihre Arbeitszeit nicht mehr in sozialen Medien verbringen und offizielle Aufgaben möglicherweise effizienter erledigt werden. Insgesamt ist sie jedoch ein schwerer Schlag gegen die persönliche Freiheit, und in der heutigen Zeit ist ein Leben ohne Smartphone schwierig geworden.


Amir Hibatullah Akhundzada ordnete an, dass die Gräber der Taliban-Mitglieder, die in den vergangenen zwanzig Jahren gestorben sind, wiederhergestellt werden. Schöne Mausoleen sollen für sie errichtet, Bücher und Broschüren verfasst werden, um ihre Geschichten, Erinnerungen und Tapferkeit zu dokumentieren und in Erinnerung zu behalten. Auch wenn die Teilnahme am Dschihad als eine gottesdienstliche Handlung gesehen werden kann, deren Lohn nach dem Tod empfangen werden kann, ist es meines Erachtens in einer Zeit, in der viele gewöhnliche Menschen unter Armut leiden, nicht angemessen Geld für Gräber auszugeben.


In der Provinz Helmand wurde auf Befehl des Amir ein Kricketstadion des Cricket Board abgerissen, das zuvor mit großem Aufwand gebaut worden war. Auf dem Gelände wurde jetzt mit dem Bau einer Moschee begonnen. Am 10. Juni führte Pakistan Luftangriffe in den Provinzen Khost, Paktika und Kunar durch, bei denen 13 Zivilpersonen, darunter Kinder, eine Frau und ein älterer Mann, getötet und weitere 14 Menschen verletzt wurden. Pakistan behauptete, es habe bewaffnete Gegner ins Visier genommen. In der Nacht des 28. Juni führte Pakistan erneut Luft- und Bodenangriffe in den Provinzen Paktia, Paktika und Kunar durch. Bei diesen Angriffen wurden 38 Menschen getötet und mehr als 160 weitere verletzt. Die Luftangriffe trafen Wohnhäuser. Auffällig ist, dass der Konflikt als Krieg zwischen den Taliban und Pakistan dargestellt wird, Pakistan jedoch konsequent die Häuser von Zivilpersonen angreift. Obwohl es für Pakistan ebenso möglich wäre, militärische Stellungen anzugreifen wie zivile Wohnhäuser, bombardiert es keine Taliban-Stellungen.


Hewad Khan

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